Erlebnisbericht geschrieben von Helga
u. Heinz Müller
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Heinz und Helga Müller |
Heinrich Reußwig | |
Törn Hurghada – Israel – Hurghada vom 24.12.2000 – 06.01.2001
Skipper: Peter von der
YLPE
Crew: Heinz und Helga Müller, Heinrich Reußwig
Endlich
ist es soweit! Wir wollen Weihnachten und Sylvester einmal ganz anders begehen
und haben eine Mitsegel-Gemeinschaft für den o.g. Törn bei Peter auf der
Ylpe gebucht. Die Männer sind gespannt auf das neue und unter Seglern wohl
noch kaum bekannte Revier. Mir ist, wie immer bei der Abreise ein wenig
mulmig.
Um
8.00 Uhr in der Frühe geht es los, zum Flughafen Düsseldorf. Alles verläuft
planmäßig und ohne besondere Vorkommnisse – bis zur Landung in Hurghada.
Der erste Schwierigkeitsgrad erwartet uns, die Einreiseformalitäten ohne
Hilfe eines orts- und sprachkundigen Reiseleiters. Das Einreisevisum muß in
US $ oder LE bezahlt werden, beides haben wir nicht. Am Visumschalter kann man
praktischerweise auch Geldwechseln, ich übernehme diese Aufgabe nervös und
irritiert. Gegen meine zögerliche Herausgabe von 400,-- DM erhalte ich ein
kaum definierbares Bündel schmutziger Geldscheine, welches mir der Beamte in
der offenen Hand mehrmals in ägyptisch auf mich einpalavernd wechselt und
dabei wohl die Visumgebühren einzieht. Ich habe keine Ahnung, wie viel ich
jetzt eigentlich wofür bezahlt habe, erhalte aber 3 Marken, die in unsere
Pässe eingeklebt und bei der Paßkontrolle gestempelt werden. Wir sind eingereist!
Danach
erreichen wir die Kofferausgabe, wo wild durcheinanderschreiende und
gestikulierende Einheimische uns klarmachen, daß wir einen Kofferwagen nur
gegen Zahlung eines 5-DM-Stückes bekommen. Wir haben viel Gepäck und es
dauert. Während sich die Männer um das Gepäck kümmern, verteidige ich
entschlossen Heinz`s Helly Hansen Jacke und unsere Zigaretten, an denen die
„Kofferwagen-Mafia“ offenes Begehren zeigt.
Schließlich
ist es geschafft. Wir verlassen die Abfertigungshalle und halten Ausschau nach
unseren Abholern, die sich ein wenig verspätet haben.
Gegen
18.00 Uhr erreichen wir die Marina, in die man auch nur mit einem für uns
kompliziert erscheinenden Gebührensystem mit dem Taxi hineinfahren kann. Nach
einer kurzen, für uns unverständlichen Debatte, zwischen dem Taxifahrer,
unserem Abholer, Peters Bruder und dem Toraufseher, wechseln wieder ein paar
Scheine den Besitzer und wir dürfen hinein.
Endlich
sehen wir die Ylpe und lernen Peter kennen. Beide gefallen uns auf Anhieb.
Allerdings stellen wir fest, daß „Marina Sports Club“ eine selbstbewußte
Übertreibung für das ist, woran die Ylpe angelegt ist.
Wir
gehen an Bord und richten uns nach einem Willkommens-Drink häuslich auf der
Ylpe ein. Ich freue mich über unsere geräumige Kabine und über die - nach
unseren mehrjährigen Chartererfahrungen – komfortable Naßzelle.
Anschließend fahren wir mit dem Taxi zum Einkaufen zum nächstgelegenen Duty
Free und verdanken unseren erfolgreichen Einkauf vor allem bei Wein und Bier
nur der Hilfsbereitschaft unseres Abholers, da die komplizierten Regeln zu
Mengen und Zahlungsmodalitäten für uns nicht zu durchblicken gewesen wären.
In
der Zwischenzeit wollte Peter die Formalitäten erledigen, damit wir am
nächsten Morgen frühzeitig ablegen können. Obwohl unser Einkauf eine ganze
Zeit gedauert hatte, war unser Peter auch nach dem Verstauen unserer „Beute“
immer noch nicht zurück. So konnten wir eine unserer tragenden Hauptaufgaben
während des kommenden Törns gleich üben: wir
warten auf Peter und die Erledigung der Formalitäten.
Endlich,
gegen 21.00 Uhr ist es dann soweit, Peter kommt! Wir wollen in ein von seinem
Bruder empfohlenes Restaurant zum Weihnachtsessen, schließlich ist
Heiligabend. Wir nehmen ein Taxi. Das heißt in Hurghada, man winkt einem der
unzähligen laut hupenden Kleinbusse, zahlt 1 LE pro Person und steigt aus, wo
man möchte. Peter erklärt uns, wir müßten noch einmal umsteigen, weil wir
die für diese Taxis vorgegebene Route wechseln müßten und es sei wichtig,
das Fahrgeld abgezählt zur Hand zu haben, da man kein Wechselgeld
zurückbekomme. Auf ging es, unter lautem Gehupe und ohne Licht, ständigem
Ein- und Aussteigen anderer Passagiere durch die „City“ in die
Außenbezirke von Hurghada. Stoßdämpfer hatte unser Taxi sicher schon lange
nicht mehr und ich würde nicht darauf wetten, daß der Fahrer mit der Bremse
vertraut war. Peter schien sich hinsichtlich unseres Ziels auch nicht so ganz
sicher zu sein, so daß unsere Reise schon in der „Heiligen Nacht“ aus
unserer Sicht abenteuerliche Züge annahm.
Dennoch
erreichten wir das gewünschte Lokal. Das Essen war gut, der Preis akzeptabel
und die Atmosphäre gleich am ersten Abend sehr angenehm.
Zurück
an Bord erwartete uns gleich der Sicherheitsbeauftragte der Marina und wir
bekamen einen ersten Vorgeschmack auf den Formalitäts-Dschungel, der während
des gesamten Törns allgegenwärtig war. Nach endlosem Hin und Her,
bestätigte sich Peters Erwartung, daß der Sicherheitsbeauftragte eigentlich
nur seinen Bakschisch (Handgeld) wollte und hierbei hinsichtlich Höhe und
Währung äußerst flexibel war.
Wir
legten noch in der Nacht ab, da Peter sich um die Wassertiefe der Anlegestelle
am Morgen sorgte und wir auch keinen weiteren Besuch des
Sicherheitsbeauftragten riskieren wollten. Nachdem wir in der Bucht geankert
hatten, nahmen wir alle noch einen „Absacker“ und fielen um 2.00 Uhr früh
todmüde in unsere Kojen. Merry X-mas
in Ägypten!
Wolkenlos
blauer Himmel, erstes Frühstück im Riff aus Peters unvergeßlichen
Bordvorräten. Genauso hatten wir uns das vorgestellt. Heinrich nimmt sein
erstes Bad im roten Meer, Heinz zögert noch, ich bin leider sehr erkältet
und verzichte deshalb lieber.
Gegen
9.00 Uhr früh setzen die Männer die Segel Rollfok und ich suche mir ein
schönes Plätzchen an Deck, wobei die Ylpe dafür viele attraktive
Möglichkeiten bietet und mir die Entscheidung nicht leicht fällt. Da wir
ordentlichen Wellengang und Gegenwind haben, erklärt uns Peter, daß wir bei
Tageslicht unser ursprüngliches Ziel, das Riff Endeavour nicht mehr erreichen
können und geht auf Gegenkurs. Wir gehen hinter Mingar Island auf 4 m Tiefe
vor Anker und haben das Gefühl, ganz alleine auf der Welt zu sein. Während
Peter kocht, gehen die Männer schwimmen. Das Wasser ist traumhaft, leider hat
sich meine Erkältung jedoch verschlimmert und ich mache mich deshalb lieber
in der Kombüse bei Peter nützlich.
Wir
sind begeistert über Peters Variante eines „Weihnachtsdinners“ auf der
Ylpe, gehen aber brav früh schlafen, da wir am nächsten Tag viel vorhaben.
Heute
ist es leider bewölkt und ein wenig frisch. Wir brechen gleich nach dem
Frühstück auf und wollen versuchen, möglichst nahe an den Riffen
vorbeizukommen und so wenig als möglich von der Welle abzubekommen. Wir
starten noch unter Motor, können aber schon bald die Genua und 2/3 Grossegel
setzen, so daß wir mit 5-6KN unserem Etappenziel, der Bucht Endeavour Hr. entgegen segeln.
Obwohl
ich mit Sonnenbrille blind wie ein Maulwurf bin, glaube ich von meinem
Stammplatz an Deck etwas am Ende unserer Angelleine zappeln zu sehen. In
sicherer Erwartung von Hohn und Spott rufe ich trotzdem nach Peter und meinen
in der Sonne dösenden Reisebegleitern. Es hört sich an wie Anglerlatein,
aber wir hatten tatsächlich einen Barrakuda an der Leine. Der
3-Mann-Kraftakt, dieses Mordstier an Bord zu hieven, verbog sogar den Haken
und wir hätten ihn fast verloren. Aber 3 zu allem entschlossenen Seglern
gegen 1 wild zappelnden Barrakuda, ist ein tödlicher Fight für den Fisch! An
Bord gehievt, haben wir ihn begutachtet und bestaunt, gemessen, gewogen und in
verschiedenen Positionen fotografiert. Was für ein Weihnachtsgeschenk: 13 kg
schwer, 1,10 m lang, Maßband und Waage Totalschaden und für die nächsten
Tage Fisch, Fisch und nochmals Fisch!!! Sushi am Nachmittag, Barrakudafilet
mit Bratkartoffel zum Abendessen - nach 26 SM Reality Life fällt der Anker in
8 m Tiefe in der Bucht Endeavour Hb. Und wir sind ganz alleine dort.
Am
frühen Nachmittag, gegen 15.30 Uhr fällt der Anker auf 5 m Tiefe im Riff
Shab el Utaf an der Südspitze der Sinai Halbinsel. Es ist unglaublich schön
hier, kristallklares Wasser, absolute Stille und kein anderes Boot weit und
breit. Wir sind wieder ganz allein. Zum Abendessen gibt es zur Abwechslung
Barracuda-Frikadellen und da wir an dieser Delikatesse nicht sparen müssen,
braten wir für den nächsten Tag gleich einen Reservevorrat! Wir gehen früh
schlafen, da wir immer noch entschlossen sind nach Aqaba zu segeln.
Die
Männer sind früh aufgestanden. Der Himmel ist wieder wolkenlos blau,
Frühtemperatur 19 Grad, Wind 4-7 KN aus NW, Seegang 1. Ich bin heute länger
liegen geblieben, bemerke aber hektische Aktivitäten an Bord. Beim Einholen
des Ankers fällt Peter Dieselgeruch auf und eine Überprüfung der
Generatoranlage ergibt, daß eine Dieselzuleitung zum Tank undicht ist. Peter
repariert den Fehler, Heinrich reinigt die Persenning und anderes Segelzeug
vom Diesel.
Peter
nutzt die Gelegenheit Getriebeöl nachzufüllen. Es stinkt ein wenig, aber
dann geht es endlich wieder los.
Wir
passieren die Straße von Tiran, Nordausfahrt nach Sharm el Sheik. Der Strom
ist mit uns. Kaum das wir aus der Deckung des Riffs kommen, steht eine
unangenehme Welle gegen an. Es befinden sich viele Tauchboote im Riff, ich
kann mir bei diesem Andrang nicht vorstellen, daß es noch viele Fisch zu
sehen gibt.
Es
soll eine Nachtfahrt werden, weil wir bis Nuweiba durchgehen wollen. Heinrich
übernimmt die 1. Wache, Heinz die 2te und die letzte zur Ansteuerung Nuweiba
macht der Skip. Der Wind wird am Spätnachmittag etwas schwächer, so daß wir
nicht mehr so hart gegen an gehen müssen. Heinrich beginnt um 21.00 Uhr die
erste Wache und verzeichnet keine besondere Vorkommnisse und ich schlafe wider
Erwarten fest ein.
Heinz
löst Heinrich um 0.00 Uhr ab. Er sieht vereinzelt Frachter, ansonsten
verläuft auch seine Wache ohne besondere Vorkommnisse. Gegen 2.00 Uhr wache
ich durch unser Anlegemanöver an der Fährmole und eine lautstarke
Diskussion, eher Geschrei in einer fremden Sprache erschrocken auf. Die
Diskussion hört sich nicht freundlich an, leider ist kein Wort zu verstehen
und ich will nachsehen. Heinz schickt mich sofort in die Kabine zurück,
nachdem ich durchs Fenster in der Kombüse eine größere Ansammlung von
Beamten und Militär gesehen habe, die einen Streit auszutragen scheinen. Es
geht um unsere Ausklarierformalitäten und die Zuständigkeit für unsere
Pässe.
Später
erzählen mir die Männer, daß auf dem Höhepunkt der aggressiven
Auseinandersetzung zwischen der örtlichen Polizei und dem Kapitän des
Coast-Patrolboot sogar ein Wachposten das Gewehr des Kapitäns holen mußte,
um dessen Autorität zu unterstreichen. Nachdem wir dann längsseits des
Coast-Patrolbootes festgemacht hatten, zog sich die Polizei schmollend
zurück. Ich sah und hörte unseren Skip durch unser Kabinenfenster dann noch
lange an Bord des Coast-Patrolbootes mit dem Kapitän Kaffee und Tee trinken
und um die Ausfertigung unserer Pässe verhandeln. Die Situation wirkte auf
mich sehr beunruhigend, zumal ich diese völlig passiv in der Kabine erlebte.
Unser
Skip kam erst gegen 4.00 Uhr früh wieder an Bord und hatte das Versprechen
des Kapitäns, daß dieser sich persönlich um die Bearbeitung unserer Pässe
kümmern wollte.
Bis
12.00 Uhr mittags hat sich hinsichtlich unserer Pässe noch nichts ergeben.
Ich empfinde es eigenartig an einem Coast-Patrolboot zu liegen, auf dem
ständig ein Posten mit seiner Galaschnikov steht und über unsere Anwesenheit
offensichtlich irritiert ist. Peter sitzt mit dem Kapitän an Land, trinkt
Kaffee und Tee und verhandelt. Wir machen unsere Lieblingsübung: Warten auf Peter mit neuen Nachrichten von der Behördenfront. Man
spricht von aufkommendem Südwind, der nicht zuläßt, daß wir an dieser
Stelle liegen bleiben. Am frühen Nachmittag erhalten wir die Erlaubnis
während unserer Übung Warten auf
Peter schwimmen zu gehen. Ich suche meinen seriösesten Badeanzug heraus,
schwimme einmal am Boot auf und ab, finde es aber nicht so motivierend, daß
der Wachmann mit der Galaschnikov dabei stets präsent und aufmerksam ist.
Plötzlich
hektische Aktivitäten, Peter kommt an Bord und berichtet uns, der Südwind
komme nun und wir müssen außen an der Tonne anlegen, da dies sicherer für
uns sei. Das hört sich leicht an, aber das Manöver war schwierig, der Wind
steif auf 35 Kn an und baute eine beträchtliche Welle auf. Bei dem Versuch an
den tanzenden Tonne eine Trosse zu befestigen, ging dann auch noch der
Schiffshaken verloren und wir fuhren etliche Manöver, bis wir ihn wieder
hatten. Ich machte mir große Sorgen um meinen Heinz, der nach dem
ursprünglichen Plan vom Schiff auf die Tonne springen sollte, um die Trosse
zu befestigen. Dieses Ansinnen erwies sich als unmöglich. Nach etlichen
Versuchen gelang es schließlich, unsere Trosse vom Schiff aus an der Tonne zu
befestigen und wir hofften nach dem Abendessen etwas entnervt auf eine
einigermaßen ruhige Nacht.
Denkste!
0.30 Uhr schrecke ich durch Motorengeräusche und eine lautstarke Debatte an
Deck aus meinem Dämmerschlaf. Was für ein Ort! Immer wenn ich die Augen
öffne, gibt es Geschrei. Wir sollten sehen, daß wir hier wegkommen! Ich
tappe aus der Kabine, um die jüngsten Ereignisse zu erkunden und erfahre: Man
hat uns die Pässe gebracht, wir können weg. Also, nichts wie weg, Richtung
Aqaba. Wir bemerken das Fehlen der Ausreisestempel erst unterwegs.
Gegen
Mittag, wir haben Wind aus N mit 12 – 18 Kn und gehen langsam 1 sm
parallel zur ägyptischen Küste hoch, werden wir querab der
Festungsinsel Geziret Faroun von einem Schlauchpatrollenboot aufgebracht und
müssen zwecks Kontrolle unserer Papiere zur Festungsinsel folgen. Peter geht
an Land und wir vervollkommnen uns weiter in unserer Lieblingsübung:
Warten auf Peter und Informationen.
Nach
schon 1 Stunde kommt Peter mit dem Patrolienboot zurück und erzählt uns von
diversen Telefonaten mit Nuweiba. Sharm el Sheik und intensiven Prüfungen
unserer Papiere. Wir erfahren, daß man diese Region nur mit einer
Sondergenehmigung von Sharm el Sheik oder der ägyptischen Botschaft in Elat
anfahren darf und das Patrolienboot uns nun wieder hinausgeleiten wird. Fein,
los geht`s!
Nach
2 SM holt uns das Patrolienboot wieder zurück, da man bemerkt hat, daß in
unseren Pässen die Ausreisestempel für Ägypten fehlen. Nachdem es zunächst
heißt, daß wir zurück nach Nuweiba müssen, um die Ausreisestempel zu
holen, will man uns nun unbürokratisch helfen. Wir warten wieder auf Peter und Informationen, wie es denn jetzt weiter
geht.
In
der Zwischenzeit stellen wir, der Kapitän eines israelischen Tauchbootes und
der Führer des Patrolienbootes fest, daß die Boje, an welcher wir
festgemacht haben, nicht sicher ist. Wir weigern uns entschlossen das Boot zu
verlegen, während der Skip nicht an Bord ist und hoffen das Verfahren so zu
beschleunigen. Falsch! Peter wird zurück an Bord gebracht, das Boot wird
verlegt und er kehrt zurück an Land.
Wir
warten wieder auf Peter, gehen mit
ausdrücklicher Erlaubnis ein wenig schwimmen und es wird Nachmittag.
Plötzlich
kommt das Patrolienboot samt Peter zurück und wir erfahren, daß aufgrund
unserer mißlichen Lage eigens Colonel Mohamed Hasash von der Grenzstation
angereist sei und jetzt überprüfen wolle, ob wir wirklich alle an Bord seien
und mit den Angaben in unseren Pässen übereinstimmen. Dazu müssen wir jetzt
alle mitkommen, damit er uns sieht.
Ich
bin nicht sehr sportlich, d.h. der akrobatische Akt von einem Segelboot in ein
Patrolienboot und von dort auf einen äußert wackeligen Steg verlangt meinen
ganzen Heldenmut und eine logistische Glanzleistung meiner Begleiter. Diese
Leistung mußte vollbracht werden, nur damit drei freundlich grinsende Herren
uns alle einmal sehen konnten, wir setzten je einen einzigen Schritt auf den
Steg und fuhren via Patrolienboot wieder zurück – ohne Peter!
Den
hatte man mal wieder mitgenommen und wir gingen in die Lieblingsübung: Warten
auf Peter! Nach nicht mal 1 Stunde kommt Peter von seinem Ausflug mit dem
Auto zurück, wir beobachten mittels Fernglas eine Fotosession an Land, eine
herzliche Abschiedsszene und Peter kommt via Patrolienboot strahlend an Bord
zurück und hat, man glaubt es kaum, unsere gestempelten Pässe. Er ist voll
des Lobes über die Toleranz und Hilfsbereitschaft der Beamten, aber obwohl es
bereits 17.30 Uhr und damit fast dunkel ist, dürfen wir nicht bleiben. Wollen
wir auch nicht, denn wir haben viel Zeit verloren. Heinz darf zum
fotografieren und filmen jetzt sogar an Bord des Patrolienbootes gehen,
welches uns wieder hinausgeleiten soll.
Wir
beschließen aufgrund der verlorenen Zeit auf Aqaba zu verzichten und gleich
gen Eilat zu segeln. Peter meldet uns frühzeitig über Funk an und macht der
Israel Navi die erforderlichen Angaben zum Schiff und seiner Besatzung.
Es
dauert auch gar nicht lange und wir werden von einem Boot der Navi in Empfang
genommen, jedoch nicht ohne alle Daten nochmals über Funk durchzugeben.
Inzwischen
war es stockdunkel geworden, aber unsere Stimmung war nach den erlebten
Abenteuern großartig. Am großen Fährterminal wurden wir längsseits
gebeten, um die erforderlichen Einklarierungsformalitäten zu erledigen.
Die
israelischen Beamten machten auf uns einen absoluten professionellen Eindruck,
auch wenn unsere Segelgemeinschaft mit dem gemessen an der Hafenmauer und den
sonst so dort anlegenden Ozeanriesen auf der so klein wirkenden Ylpe
befremdlich war. Es war lediglich ein überschaubarer Betrag von 40 Schäkel
(ca. 10 US$) an den Zollbeamten zu zahlen und darin waren sich sogar alle
einig.
Allerdings
mußte ich jetzt wieder in den Kampf mit „meinem inneren Schweinehund“
treten, der mich davon überzeugen wollte, daß ich auf keinen Fall der
Aufforderung der israelischen Beamten Folge leisten und zwecks Begleitung
unseres Skippers an der Kaimauer hoch an Land klettern kann. Ich erreichte
israelischen Boden zwar auf allen Vieren und damit jenseits jeder sportlichen
Ausstrahlung, aber der „Schweinehund“ hatte mich belogen, ich konnte es
doch. Peter und ich kamen an getrennte Tische und mußten die
Einreiseformulare (übrigens incl. Angaben zu den Namen unserer Väter) für
alle ausfüllen. Eigenartigerweise klappten die Formalitäten in meiner
Anwesenheit recht fix und wir konnten die Lieblingsübung „Warten
auf Peter“ diesmal auslassen.
Inzwischen
war es natürlich schon spät geworden und der Yachthafen geschlossen. Da wir
uns alle den ganzen Tag auf ein schönes Abendessen an Land gefreut hatten,
suchten wir jetzt nach einem Liegeplatz, der uns einen Landgang ermöglichte.
Nachdem wir eine Weile erfolglos herumgeschippert waren, nahm die Lösung
unserer Begehrlichkeiten in Form eines riesigen Ausflugskatamarans Gestalt an,
über den wir an Land klettern konnten. Peter ging zu allem entschlossen dort
an Bord, um nach der Crew zu suchen und damit unser „Entermanöver“ zu
legalisieren. Die jäh aus dem Schlaf getrommelte Crew reagierte verstört,
aber äußerst freundlich und händigte uns sogar den Schlüssel zum Steg aus.
Nach
kurzer Freude über den Erfolg wurde mir klar, daß ich nun über die Reeling
unseres kleinen Segelschiffes auf die viel höhere Reeling des Katamarans und
dann notwendigerweise mit viel Schwung darüber klettern sollte. Das muß mein
„Akrobat-Schön-Tag“ gewesen sein und zweifellos war der eigentlich Akt
dann an Geschmeidigkeit kaum noch zu überbieten, denn Heinz auf dem Katamaran
zum Ziehen und Heinrich auf dem Segler zum Schieben haben ganze Arbeit
geleistet. Mein zweiter Landgang in Israel erfolgte aufrecht gehend.
Nachdem
wir an der Herausforderung einen israelischen Geldautomaten nicht nur zu
finden, sondern auch erfolgreich zu bedienen (die hebräische Bedienerführung
ist für die meisten Europäer wohl ein unlösbares Problem) gescheitert
waren, entschieden wir uns für ein texanisches Steakhouse mit
Kreditkartensymbol an der Tür und trafen damit eine ausgezeichnete Wahl (auch
wenn die Sparribs inzwischen ausverkauft waren).
Nach
einem anschließenden ersten Spaziergang im Yachthafen mit abschließendem
Schlummertrunk erwartete uns bei der Rückkehr eine neue Überraschung in
Gestalt des Kapitäns des Katamarans, der uns freundlich aber bestimmt
darüber aufklärte, daß seine Crew ein wenig voreilig war und wir auf keinen
Fall dort über Nacht bleiben könnten. Die Klettertour zurück ging schon
besser und wir gingen in der Hafenbucht vor Anker, nahmen einen neuen
Schlummertrunk und hatten eine angenehm ruhige Nacht.
Nachdem
Peter über Funk einen Liegeplatz in der Marina angefragt hatte, erscheint
auch prompt das Boot mit dem Marinapersonal, um uns in die Marina zu geleiten,
wozu zunächst die Brücke geöffnet werden muß. Die Marina ist nicht voll
und wir erhalten einen Platz direkt gegenüber von McDonalds, incl. Strom und
Wasser. Heinz und Heinrich machen sich über den dringend notwendigen
Schiffsputz her (alles ist vollgesalzt und der Barrakuda hat auch Spuren
hinterlassen), der Skip muß zum Zahnarzt. Er hat eine Plombe verloren, ohne
die er nicht ins neue Jahr wechseln möchte. Gut zu verstehen, denn die
Alternative wäre ein ägyptischer Zahnarzt auf der Rücktour, da Peter ja
noch eine Weile dort bleiben will! Ich mache mich auf den Weg in die Stadt zur
Devisenbeschaffung, Shopping und der Erkundung eines geeigneten Restaurantes
für unser Sylvestermenü.
Eilat
ist eine tolle Stadt, die auch eine gesonderte Reise jederzeit rechtfertigt.
Eine der Hauptattraktionen war für uns der mitten in der Stadt liegende
Flughafen. Die Anflugschneise ist meerseits ausgeleuchtet und die Landebahn so
gestaltet, daß die schweren Maschinen praktisch zwischen den Häusern
herunterkommen bzw. starten. Dennoch nimmt man kaum Fluglärm war. Es ist ein
absolut beeindruckendes Szenario!
Wegen
der besonders ansprechenden Dekoration entschieden Heinrich und ich uns wegen
des Sylvestermenüs für den Inder. Das erwies sich abgesehen von der
Dekoration für keine besonders gute Wahl und war obendrein sehr teuer. Peter
hatte jedoch während seiner Fahrt zum Zahnarzt einen Tip vom Taxifahrer
bekommen, wo die besten Kneipen in der Stadt seien. Wir machten uns auf den
Weg dorthin und hatten gleich mit dem ersten Versuch einen vollen Erfolg. Es
wurde eine multi-kulturelle Sylvesterfeier mit Russen, Schweden, einem
englischen Reiko-Master, der meinen Husten durch Handauflegen heilte und einem
israelischen Kellner, der sogar die Sektgläser für den von den Russen
mitgebrachten Krimsekt stellte.
Das
Feuer-werk erlebten wir auf einem Plateau etwas oberhalb der Stadt und hatten
einen herrlichen Ausblick. Es war insgesamt ein ganz besonderes Erlebnis für
uns alle gerade an diesem Ort das eigentliche Millenium zu feiern.
Heinrich
und Heinz haben tatsächlich einen geöffneten Supermarkt aufgespürt! Es gibt
noch warmes Frühstücksgebäck, Schinken und frische Fleischwurst! Später
stellen wir beim Umrechnen fest, daß alleine die Fleischwurst rund 18,-- DM
kostet!
Das
tut unserem Schlemmerfrühstück jedoch keinen Abbruch und wir genießen es.
Die Temperatur steigt unter Tags bis auf 25° und wir brechen alle gemeinsam zum Landgang auf, shoppen ein bißchen, verpassen dem Skip eine neue Sonnenbrille, essen, trinken und albern herum. Insgesamt verbringen wir einen gelungenen Urlaubstag.
Eigentlich
wollten wir früh ablegen, aber der Skip meint, daß ein Wetterumschwung
anliegt und wir hier vielleicht sicherheitshalber noch einen Tag verbringen
sollten. Es ist zwar bewölkt, aber die Frühtemperatur lag schon bei 21°.
Peter holt aktuelle Informationen im Marina-Büro ein und kommt nach kurzer
Zeit mit der Nachricht zurück, daß wir unbesorgt auslaufen könnten. Das tun
wir dann auch und laufen wieder den Haupthafen zum Ausklarieren an. Diesmal
geht Peter allein an Land und wir stellen uns auf die übliche Wartezeit ein.
Aber nein, es scheint wirklich nicht an Peter, sondern an den jeweiligen
Beamten zu liegen. Alles klappt schnell und reibungslos, so daß wir bereits
gegen 10.30 Uhr auf dem Weg nach Nuweiba sind
Unsere
Fahrt verläuft bis auf die inzwischen übliche Alberei ohne besondere
Vorkommnisse. Wir legen an der Stirnseite der Hafenmole von Nuweiba an, wo man
uns ja jetzt schon kennt und Peter freundlich in Empfang nimmt. Das übliche
Palaver beginnt und das kann dauern. Da wir Hunger haben, inspizieren Heinrich
und ich die Bordvorräte, um schon einmal mit den Vorbereitungen für unser
Abendessen zu beginnen. Wir stellen fest, daß wir auf der Grundlage von
Peters Vorräten auch locker um das Kap Horn segeln könnten und machen uns an
die Arbeit. Exakt zu dem Zeitpunkt, als das Spaghettiwasser kocht, kommt Peter
wieder an Bord und berichtet, daß wir mal wieder nicht bleiben können und an
die vertraute Tonne außerhalb der Hafenanlage müssen. Allerdings erfolgt die
Übung diesmal im Interesse der allgemeinen Spannung im Dunkeln. Da uns die
Beamten in Nuweiba anscheinend inzwischen ins Herz geschlossen haben, bekommen
wir Unterstützung durch deren Lotsenboot und haben gegen 18.20 Uhr mal wieder
ein halbwegs ruhiges Nachtlager. Das von Heinrich und mir improvisierte
Abendessen kommt natürlich an Peters Kochkünste nicht heran, aber er
schluckt es tapfer und murrt nicht. Das er kurz danach die Koknakflasche aus
den „eisernen Beständen“ zum Vorschein holt, gibt mir allerdings zu
denken. Da wir noch in der Nacht los wollen, teilt der Skip die Wachen ein und
wir verziehen uns in die Kojen.
Gegen
3.00 Uhr früh lösen wir uns von der Tonne ab und steuern als nächstes Ziel
zum Einklarieren Sharm el Sheik an. Es ist bewölkt und kühl. Heinrich
übernimmt die erste Wache und wird später von Heinz abgelöst.
Ich
mag diese Nachtfahrten nicht besonders, weil ich dabei nicht gut schlafe und
dann den ganzen Tag ein wenig gerädert bin. Die letzte Wache übernimmt der
Skip wie immer selbst und endlich gegen 7.45 Uhr frischt der Wind auf und wir
können Segel setzen.
Wir
erreichen Sharm el Sheik erst nach Einbruch der Dunkelheit und legen gegen
18.30 Uhr an der Mole an. Dort kennt man uns noch nicht, hat aber schon von
uns gehört. Im Nu sind etliche Beamte auf der Mole versammelt und Peter geht
zu den üblichen Verhandlungen an Land. Es ist völlig windstill geworden. Wir
warten geduldig auf den Ausgang der Verhandlungen. Nach gar nicht mal so
langer Zeit versorgt Peter uns mit der Information, daß die Einklarierungs-
und Wiedereinreiseformalitäten in Sharm el Sheik den utopischen Betrag von
800,-- $, wahrscheinlich sogar mehr kosten solle. Man empfehle uns deshalb die
Formalitäten in Hurghada zu erledigen, wo wir mit etwa 300,-- $ davonkommen
würden. Der Hafenmeister sei jedoch bereit, uns hier übernachten zu lassen,
sofern wir gleich morgens früh wieder ablegten. Da wir ohne erneute
Einreisestempel ohnehin nicht von Bord gehen durften, um Sharm el Sheik
(wie eigentlich geplant) zu erkunden, entschieden wir, auf das teure
Sharm el Sheik zu verzichten und an Bord zu essen (eigentlich schade für die
Restauration in Sharm el Sheik) . Nebenbei bemerkt, hätten wir in Ägypten
erheblich mehr Devisen zugunsten der ansässigen Restaurants und Geschäfte
gelassen, wenn uns nicht die Einreisebestimmungen und damit verbundene
Gebühren am Landgang gehindert hätten. Heinrich, Heinz und ich haben in
Ägypten außer in Hurghada keinen Fuß an Land gesetzt!
Gegen
7.30 Uhr legen wir bei wolkenlosem Himmel und einer Frühtemperatur von 19°
von der Mole ab mit dem Etappenziel, das Riff Umm Usk zwecks Übernachtung zu
erreichen. Es ist eine relativ kurze Etappe bei herrlichem Wetter, bereits
gegen 15.00 Uhr fällt der Anker in 6m Tiefe mit 50 m Kette. In einiger
Entfernung ankern noch einige Taucherboote und später stellen wir fest, daß
zwei weitere Boote in der Nähe des Riffs übernachten. Peter setzt dem Törn
ein neues Highlight und backt, während wir schwimmen tatsächlich einen
Hefestrudel. Der Strudel duftet so köstlich aus dem Ofen, daß Heinrich,
Heinz und ich uns wegen der beiden anderen Schiffe sorgen, denen wir
zweifellos ein Entermotiv bieten. Wahrscheinlich um den Heißhunger ins
uferlose zu steigern, gibt es vorab für jeden ein halbes süßes
Hefebrötchen. Dann muß der Strudel zum Auskühlen versteckt werden, damit
keiner heimlich nascht.
Heinrich
und Heinz lassen das Dingi zu Wasser, um das Riff noch näher zu erkunden und
die Fische zu beobachten. Als es zu dämmern beginnt und damit, wie üblich
auch recht kühl wird, kehren sie aber rasch zurück. Ich denke jedoch, daß
die beiden sich um die Unversehrtheit des Strudels sorgten, mit dem Peter und
ich allein an Bord waren. Nachdem Peter den Rum vom Rosineneinweichen
geschleckt hatte, war seine Vertrauenswürdigkeit wohl ins bodenlose gesunken
und als einzige Frau an Bord vertrat ich ohnehin eine Minderheit, der man
schon aus genetischen Gründen nicht trauen kann
Dem
eigentlichen Abendessen wendeten wir nur noch verhaltene Aufmerksamkeit zu, wir
wollten diesen Strudel!
Es
ist für mögliche Leser dieses Berichtes oder die Betrachter der
dazugehörigen Fotos sicher schwer nachzuvollziehen, was erwachsene Menschen
so albern macht und fast jeden Abend an die Koknakflasche treibt, aber segelt
mal mit Peter auf der Ylpe. Da passiert so etwas eben.
Wir
kommen relativ spät in die Kojen, haben dann aber eine angenehme Nacht in der
absoluten Stille des Riffs.
Am
Morgen ist es zunächst bewölkt, so daß wir nicht los können. Peter
benötigt gutes Sonnenlicht, um die Ylpe sicher aus dem Riff zu steuern. Wir
sichten eine Delphin-Familie, die neugierig ganz dicht an uns vorbeischwimmt
und ihre Sprünge macht.
Gegen
10.00 Uhr ist es aber dann soweit. Mittlerweile ist die Temperatur auch wieder
auf 24° gestiegen und wir haben 1-2 Seegang, so daß Peter auch die
Angelleine wieder auslegt. Ungefähr an dieser Stelle haben wir in der
vergangenen Woche ja auch den Barracuda gefangen. Wieder zieht eine
Delphin-Familie dicht an uns vorbei und wir sehen erstmals einen weiteren
Segler, offensichtlich Italiener. Natürlich begrüßen wir uns. Die gemischte
acht- zehnköpfige Crew hebt aber offenbar mehr auf den Tauchsport ab, wie man
an den Gerätschaften an Bord erkennt.
Einen
Fisch haben wir leider nicht mehr gefangen, am Haken hing nur Müll und
Schmodder. Eigentlich stand uns nach dem Barracuda auch keiner mehr zu und da
wir fast am Ende unseres Törns waren, hätten wir ihn auch nicht mehr essen
können.
Gegen
15.00 Uhr fällt unser Anker vor Main Port Hurghada und wir haben die
Einklarierungsfahne gerade gesetzt, da kommt auch schon ein Schlauchboot mit
dem zuständigen Agent und nimmt unseren Peter mitsamt allen Papieren von
Schiff und Mannschaft zur Einleitung der Formalitäten mit an Land. Da wir
wissen, daß das dauern kann, machen wir es uns mit dem Strudel und einer
Kanne Kaffee an Deck gemütlich.
Kaum
haben wir wieder aufgeräumt, kommt Peter mit dem Boot zurück und zu unserem
Erstauen (später Entsetzen!) kommen zwei Ägypter mit an Bord, die Peter als
den zuständigen Doktor für die Gesundheitsprüfung und einen Coastguard für
die Zollabwicklung vorstellt. Der Doktor ist recht verträglich und untersucht
uns, indem er ein paar Fragebogen ausfüllt und eine Gebühr dafür berechnet.
Dann unterhält er sich, während er auf den Kollegen von der Coastguard
wartet freundlich mit Heinz und Peter und schüttelt dabei den Kopf über den
umständlich bis unverschämt agierenden Coastgard-Beamten. Es handelte sich
um einen recht jungen Burschen, der unwahrscheinlich schmutzig war, kein
einziges Wort englisch sprach und wahrscheinlich auch nicht lesen konnte, da
er ägyptisch beschriftete, original verpackte Mehltüten für Drogen hielt
und damit aufgeregt zum Doktor lief. Er stellte das gesamte Schiff auf den
Kopf, steckte seine schmutzigen Finger in angebrochene Lebensmittelpackungen
und fand dann seinen Karriere-Höhepunkt in Heinz und meiner Kabine, wo er
beim Durchwühlen meiner schmutzigen! Unterwäsche auf Heinz Tauchermesser
stieß, daß ich dort schon für die Rückreise verstaut hatte. Mit
Triumpfgeschrei lief er damit zum Doktor und glaubte eine gefährliche Waffe
gefunden zu haben.
Dann
wurde es erst richtig lustig, er machte sich über meine Kosmetika und meine
Handtasche her. Ich versuchte ihm durch Gesten die verschiedenen
Verwendungs-zwecke zu erklären.
Inzwischen
saß er im Schneidersitz mit seinen schmutzigen Füßen mitten in unserem
Bett, bewunderte mit offensichtlichem Begehren unseren Zigaretten und
Zigarillo-vorrat, schaute durch sämtliche Brillen, schüttete sich aus vor
Lachen über die diver-sen Sonnenschutz-mittel und nahm sich dann meine
Portomonaies vor. Wieder Alarm, ich hatte von der Hinreise nach Israel noch
ägyptische Pfund und wußte nicht, daß dies nicht erlaubt ist. Peter kam mir
dann zur Hilfe und lenkte seine Aufmerk-samkeit auf den Rest der Kabine.
Dieses Manöver endete damit, daß das Bett auseinandergebaut werden mußte,
damit der Bursche in der Vorratskiste darunter nachschauen konnte. Auch dort
faßte er alles an und verstand vermutlich kaum etwas. Der Doktor machte der
Aktion schließlich ein Ende, die beiden gingen von Bord und das Schiff sah
innen aus, als wäre eine Granate hochgegangen.
Da
unsere Einreiseformalitäten damit noch nicht abgeschlossen waren und wir erst
für den nächsten Vormittag zur persönlichen Kontrolle ins
Immigration-Office bestellt waren, konnten wir natürlich wieder nicht von
Bord. Wir verbringen wieder einen unserer gemütlichen Koknak-Abende.
Da
wir kein Brot mehr haben und auch für 10.00 Uhr ins Immigration-Office
bestellt sind, gehen wir in 2 Etappen mit dem Dingi an Land. Ein etwas
schwieriges Unterfangen, da es in dieser „Main-Marina“ eigentlich keine
geeignete Anlegestelle für unser Dingi gibt. Also ist wieder Kletterei
angesagt.
Im
Office erfahren wir dann, daß der zuständige Colonel gar nicht anwesend ist
und am Flughafen aushilft. Nach kurzer Diskussion unter den übrigen Beamten
erfahren wir dann staunend, daß alle Formalitäten für uns erledigt, die
Visa in unseren Pässen jetzt gültig sind und wir an Land gehen können. Wir
können es kaum glauben und werden dann auch prompt nach 15m zurückgerufen.
Peter muß bleiben und die Schiffsformalitäten noch erledigen, wir dürfen
gehen und beschließen für ein spätes Frühstück einzukaufen.
Wir
kommen bis zum Schlagbaum, die Männer müssen ihre Pässe vorzeigen und die
vielen Stempel werden aufmerksam begutachtet. Für meinen Paß interessiert
sich niemand mehr, ich darf so durch. Hurghada, wir kommen!
Ehrlicherweise
muß man zugeben, daß der an der Marina gelegene Teil Hurghadas nicht
besonders reizvoll ist. Es ist unbeschreiblich schmutzig und chaotisch. Wir
haben uns nur kurz umgesehen, für unser Frühstück eingekauft und sind zur
Marina zurück. Die vertraute Ylpe war uns mittlerweile viel lieber als
Landgang, wir machten es uns wieder gemütlich und warteten
auf Peter.
Peter
kam erst am frühen Nachmittag zurück und berichtete, daß während unserer
Abwesenheit erneut eine Zollkontrolle an Bord war, diesmal wegen der
elektronischen Geräte, welche wir ja möglicherweise an Land verkaufen
könnten. Die Einklarierung sei noch immer nicht erledigt, er müsse am
nächsten Tag wieder zur Hafenbehörde und es sei ihm nicht mehr erlaubt
selbsttätige Einklarierungsaktivitäten vorzunehmen. Er sei gezwungen einen
Agenten zu nehmen, der dann natürlich auch bezahlt werden müsse. Wir hätten
aber jetzt die Erlaubnis das Schiff in den Marina Sport Club zu verlegen, in
dem wir erstens besser liegen und uns dann auch im für den abendlichen
Landgang ansprechenderen Teil von Hurghada befinden.
Wir
haben das Schiff dann auch sofort verlegt und konnten dabei sogar noch einmal
die Segel setzen. Unseren letzten Abend haben wir dann tatsächlich auf
ägyptischem Boden verbracht, haben im Sindbad-Hotel eher durchschnittlich,
aber in schöner Atmosphäre gegessen und uns später an Bord in
Abschiedsstimmung wieder um die Koknakflasche versammelt.
Nach
dem letzten Frühstück muß der Skip wieder von Bord und die
Einklarierungsformalitäten zu Ende bringen. Wegen der hohen Gebühren
konnten wir nirgends an der Kaimauer anlegen und müssen bei unruhigem
Wellengang unser gesamtes Gepäck in Etappen an wenig geeigneter Stelle an
Land bringen. Ich habe jetzt auch genug vom Klettern, Behördenabenteuern und
undurchschaubaren Gebühren-forderungen und bin froh mit Heinz, Heinrich,
allen Gepäckstücken und vor allem unseren wieder gültigen Pässen
unversehrt am Ausgangspunkt zurück zu sein. Wir haben auf dieser Reise zu
unseren Pässen eine ganz neue Beziehung gefunden!
Gegen
13.30 Uhr holt Peters Bruder uns wieder mit dem Taxi ab und wir freuen uns
sehr, daß Peter dabei ist und uns noch zum Flughafen begleitet. Unterwegs
erzählt er uns, daß die Formalitäten noch immer nicht abgeschlossen sind,
er morgen früh erneut vorsprechen muß und der Spaß vermutlich 3.000,--
ägyptische Pfund kosten wird.
Der
Abschied am Flughafen fällt wehmütig aus. Wir haben eine tolle Zeit
miteinander verbracht. Heinrich, Heinz und ich haben den ungewöhnlichsten und
vielleicht schönsten Törn bei Peter auf der Ylpe erlebt und haben diese
völlig aus dem üblichen Rahmen fallende Reise keinen Tag bereut.
Ende
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